Buddhismus

Ja ich gebe es zu. Ich bin Buddhistin.

Stimmt genau. Das ist diese komische, seltsam anmutende Religion, die neuerdings ein paar Promis für sich entdeckt haben. Aber nun kommt die Überraschung:

Die gab es auch schon vorher!

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich genervt. Man darf trotz Religionsfreiheit kaum aussprechen an was man genau glaubt. Denn irgendeinen Spruch bekommt man von den charmanten Mitschüler und zu meiner großen Enttäuschung auch den Lehrern, immer zu hören.

Ob nun die Unterstellung ich sei ein neu erworbenes Sektenmitglied oder der Verdacht ich habe einfach keine Ahnung von was ich da rede. Da finde ich es noch angenehmer, wenn man sagt, dass Buddha doch auch nur ein anderer Name für irgendeinen Gott sei und ich mich anscheinend wichtig machen möchte.

Es ist alles falsch und nichts davon ist durchdacht. Man möchte wohl einfach nur cool und gelassen auf etwas vollkommen Fremdes reagieren.

Trotzdem bin ich nebenbei nicht die einzige, die es satt hat sich Tag ein, Tag aus zu verteidigen und zu rechtfertigen. Würde ich sagen, ich sei eine Christin und Gott sei mein Ein und alles, würde niemand fragen. Das währe schließlich nicht ungewöhnlich. Wo bleibt der Spaß etwas vollkommen falsch zu erzählen, wenn man eigentlich weiß, wie es richtig ist.

Auch wenn es immer noch Spezialisten gibt, die meinen Jesus sei im ersten Kreuzzug gestorben, wissen doch mittlerweile die meisten halbwegs gebildeten Menschen wie es wirklich ist.

Anders beim Buddhismus. Was ist das nun eigentlich genau? Nun, da ich mir nicht anmaße, eine Religion in wenigen Sätzen zu erläutern, folgen hier ein paar Kernpunkte und Grundgedanken, die schon mal wenigstens ein nützliches Allgemeinwissen vermitteln. Buddha war ist und bleibt ein Mensch. Weder war er vollkommen noch unsterblich. Er war übrigens nicht einmal ein wirklich angenehmer Zeitgenosse. Ein bisschen zu ehrgeizig und verbissen für meinen Geschmack. Zudem nach seiner Erlösung definitiv ein kleines Stück eingebildet. Es gibt verschiedene Buddhistische Lehren, die sich von seinen Schriften ableiten.

Ich persönlich folge dem achtfachen Pfad und den vier edlen Wahrheiten:

 

Dukkha - Das Leben im Daseinskreislauf ist leidvoll.

 

Samudaya - Die Ursachen des Leidens sind Begehren, Abneigung (negatives Begehren) und Unwissenheit (über die Natur des Leidens).

 

Nirodha - Durch das Erlöschen der Ursachen erlischt das Leiden.

 

Magga - Zum Erlöschen des Begehrens (und damit des Leidens) führt der „Edle Achtfache Pfad“.

 

So versuche ich ein relativ guter Mensch zu sein und zu bleiben.

Gut ist jedoch relativ. Mit dieser Umgebung und dem sozialen Umfeld, das sich uns bietet, ist gut zu bleiben ein Ding der Unmöglichkeit geworden.

Leid spielt des Weiteren eine ziemlich große Rolle. Nein, wir leiden nicht gern. Genauso wenig wie andere Menschen. Im Gegensatz zu den Christen akzeptieren wir aber, dass es Schmerz und Elend gibt und, dass es eben dazu gehört. Zu unserem Dasein.

Wer glaubt alles Schlechte aus seinem Leben tilgen zu können, sollte langsam mal aufwachen. Der Wecker hat geklingelt, es ist Zeit aufzustehen und auf einem Stück Seife im Bad auszurutschen.

Gut und Böse, Ying und Yang. Wir brauchen das Dunkle in uns, um nicht aus der Balance zu geraten. Wenn wir „sündigen“ wie es heißt, dann folgt keine Strafe. Jeder sündigt. Auch der Papst. Nein, mit seinem Karma muss ein jeder selbst zurrecht kommen. Wenn man sich selbst kennt, weiß man einfach, ob man im Gleichgewicht ist oder nicht. Man weiß, wie weit man von der Erlösung entfernt ist und wie wahrscheinlich eine erneute Wiedergeburt ist. Man kennt sich.

Sollte man sich verlieren, hilft die Meditation, die klärt was in uns vorgeht und in wie weit unser Handeln richtig war. Am Ende steht dann hoffentlich die Erlösung ins Nirvana. Keine weiteren Qualen mehr. Nur noch eine ruhige Existenz, die sich auch bei uns jeder anders vorstellt.

Konntet ihr mir folgen? Es ist ein komplexes aber interessantes Themengebiet. Eine mögliche Zwischenfrage kann ich aber gleich beantworten. Genauso wie nicht alle Christen jeden Sonntag in die Kirche Laufen, essen einige von uns auch Fleisch. Solange man dem Tier dankbar ist, ist eigentlich alles in Ordnung.

28.11.07 19:24

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